Glückshormon Serotonin

Vor der Erfindung des künstlichen Lichts regelte die Sonne unseren Schlafrhythmus. Dadurch hielt die dunkle Jahreszeit ausgedehnte Ruhephasen für uns bereit. In der heutigen Leistungsgesellschaft: ein Luxus!

Wir stehen auf, wenn es noch dunkel ist und arbeiten auch noch, wenn die Sonne längst untergegangen ist. Das trägt dazu bei, dass die sommerliche Leichtigkeit gegen Jahresende mit einem Mal wie verflogen ist. Wir möchten mehr schlafen, dürfen aber nicht. Sehnen uns nach mehr Licht, bekommen aber zu wenig. Stattdessen starren wir in unsere Blaulichtquellen Computer und Handy, welche das ihrige dazu beitragen, dass wir schlecht schlafen. Unser Körper reagiert darauf mit Stress und unsere Probleme erscheinen uns plötzlich viel größer als in den Sommermonaten. Der Schlüssel, um dagegen anzukämpfen, ist unser Hormonhaushalt.

Schlaf und Sonne für die Hormone

Unzählige Abläufe in unserem Organismus werden durch Hormone gesteuert. Da viele dieser Botenstoffe nachts gebildet werden, hat Schlafmangel spürbare Folgen. Dann steht etwa morgens zu wenig Cortisol zur Verfügung, das uns bei der Stressbewältigung helfen würde. Und ohne genügend Serotonin ist die Stimmung schnell im Keller. Generell geht es uns besser, wenn die Serotoninspeicher voll sind, denn das Hormon ist gleichzeitig ein Neurotransmitter und sorgt im Gehirn dafür, dass alle Prozesse richtig ablaufen. Als Gegenspieler der aufputschenden Kollegen Noradrenalin und Dopamin hat es einen entspannenden Effekt und führt zur Gelassenheit. Seine schmerzhemmenden, motivationsfördernden und stark stimmungsaufhellenden Eigenschaften haben ihm den Ruf des körpereigenen Antidepressivums eingebracht. Und als Vorstufe des Schlafhormons Melatonin spielt es zusätzlich eine wichtige Rolle für unsere erholsame Nachtruhe. Serotonin selbst wird aus der Aminosäure Tryptophan gebildet, indem es zuerst in die Zwischenstufe 5-Hydroxytryptophan (5HTP) umgewandelt wird. Damit die Synthese funktioniert, sind die Vitamine B6 und D notwendig. Und hier schließt sich der Kreis: Da wir Vitamin D nur bilden, wenn wir genügend Sonne bekommen, kann unser Glückshormon im Winter schnell zur Mangelware werden.

Happiness-Vorstufe: Proteine

Serotonin kann der Körper nicht direkt verwerten, wir müssen vielmehr mit seinen Vorstufen arbeiten. Auf eigene Faust würde unser Körper zu Kohlenhydraten und Süßem greifen. Denn für die Verarbeitung von beidem wird Insulin ausgeschüttet und das erhöht den Tryptophanspiegel im Gehirn. Schokolade mit hohem Kakaoanteil befriedigt das Verlangen gleich doppelt, enthalten die Kakaobohnen doch selbst Tryptophan. Das trifft aber auf viele Lebensmittel zu, denn essenzielle Aminosäuren stecken in den Proteinen. Ohnehin dient Eiweiß als Basis für die Hormonproduktion, deshalb nützt uns eine ausgewogene Ernährung langfristig mehr als schnelle Zucker-Highs. Verbinden wir ergänzend unsere tägliche Dosis Sonne mit einem Kältereiz, z. B. Abkühlung in einem eisigen Bach, bringen wir zusätzlich zum Hormonhaushalt auch Kreislauf und Immunsystem in Schwung – gute Laune inklusive.